am Tisch

Warum dieser Blog?

Mich hat in den neun Jahren, in denen ich nun Gastronom bin, immer gestört, dass in kaum einer anderen anderen Branche so häufig die Unwahrheit gesagt wird, wie in der Gastronomie. Damit meine ich keine Betrügereien, die der Gastronomie ja leider immer nachgesagt werden, sondern das "sich-nicht-eingestehen-wollen", dass es eine knüppelharte Branche ist. Man tut vor allem gegenüber Gastro-Kollegen gerne so, als hätte man alles locker im Griff. Fatal - wie ich finde!

 

Ich werde hier immer Klartext reden - über den Staat, der seine mutigen Selbständigen auswringt, bis nichts mehr übrig bleibt; über Gäste, die sich nur bei ihren Ansprüchen wie Könige verhalten, nicht aber bei ihrem Benehmen; über Banken, die über Branchen entscheiden, von denen sie nicht die Spur von Ahnung haben... Und ich hoffe, dass auch meine Gesprächspartner in den Interviews diese Ehrlichkeit mitbringen!

Wer ich bin?

Ralf Klümper

 

1965 geboren, wohnhaft in Bottrop, verheiratet mit Gabi Klümper, 2 Kinder (Lisa und Julia)
Ausbildung zum Versicherungskaufmann, Studium der Betriebswirtschaftslehre (Diplom-Kaufmann), Produktmanager bei einem IT-Unternehmen, Vertriebsleiter für NRW bei einem großen Verlag, seit 2007 Unternehmer in der Gastronomie, Inhaber und Mit-Geschäftsführer in "Die Insel" sowie der Kommunikationsagentur "klüger-solutions" und Blogger eben hier bei AUFGETISCHT!.

 

Lebensmotto: "Es geht immer weiter..."

Ein Ausspruch des Ex-Bayern Torhüters Oliver Kahn aus der Saison 2000/2001. Als Schalke nach deren Schlusspfiff am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison dachte, schon Meister gewesen zu sein, dann die Meisterschaft aber doch an die Bayern verloren hatte, die in der Nachspielzeit ihres letzten Spiels doch noch den alles entscheidenden Treffer erzielt hatten. Das ist auch das Motto meines Lebens. Selbst, wenn man manchmal im Leben an Punkte gerät, an denen man denkt, dass nichts funktioniert oder alles aus und vorbei ist, gibt es immer einen Weg, der einen weiterführt. Daher auch in schwierigen Momenten die Augen offen halten und nach Lösungen suchen. Man wird am Ende immer belohnt.

Mein Lieblings-Aufreger: Keine einheitlichen Mehrwertsteuersätze...

Da stellen wir uns doch mal ganz dumm...
Auf der einen Seite gibt es Gastronomien (Kategorie 1; z.B. Stehimbisse), die ihren Gästen keine Sitzplätze anbieten, bei denen Gäste nicht zur Toilette gehen können und die dem Gast ihr Essen meist in umweltschädlichen Verpackungen mitgeben.

Auf der anderen Seite die Gastronomen (Kategorie 2), die für ihre Gasträume meist höhere Mieten zahlen müssen (wegen des größeren Platzbedarfs für Sitzplätze), die Aufenthaltsqualität für ihre Gäste schaffen, die Toiletten anbieten, mehr Personal benötigen und das Essen appetitlich auf Tellern anrichten, die sie anschließend auch noch spülen.

 

Frage: Welcher der beiden Gastronomen wird vom Staat belohnt? Klar, ist eine rein rhetorische Frage. Logischerweise müsste der Gastronom staatliche Vorteile genießen, der bei höheren Kosten einen höheren Service anbietet - also Kategorie 2. Ist aber nicht so. Wer zur Kategorie 1 gehört, muss von seinen Einnahmen nur 7% an den Staat abführen (Vor- bzw. Mehrwertsteuer) und Kategorie 2 fast das dreifache (3-fache!!!), nämlich 19%. Völlig krank? Ja!

Mag sein, dass es dafür in früheren Zeiten eine halbwegs vernünftige Erklärung gab. Nun gibt es diese aber zumindest seit vielen Jahren nicht mehr. So wird eine bessere Dienstleistung bestraft.

 

Ich bin ja nun wirklich nicht der erste, dem dieser Schwachsinn aufgefallen ist. Unser Verband, der DEHOGA, setzt sich schon seit Jahren für die gleiche Besteuerung ein: nur noch 7% für beide Kategorien von Gastronomen. Das klingt toll. Dann hätten die meisten Gastronomien der Kategorie 2 statt durchschnittlich maximal 10% Gewinn plötzlich mit einem Schlag rund 22 % Gewinn. Ohne mehr dafür tun zu müssen! Die meisten Gastronomen könnten dann wieder vernünftiger von ihren Einnahmen leben, endlich mal wieder investieren, auch ihren Mitarbeitern bessere Gehälter zahlen und trotzdem würde mehr übrig bleiben als bisher.
Traumhaft? Ja, ein Traum. Und er wird es auch bleiben. Denn, die 7%-Forderung mag zwar bei den Mitgliedern des DEHOGA populär sein, aber die Politik, die darüber zu entscheiden hat, wird sich niemals auf geringere Steuereinnahmen einlassen.

 

Eine solche Forderung ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Eigentlich geht es doch auch gar nicht primär darum, dass es den Gastronomen der Kategorie 2 finanziell deutlich besser gehen soll, sondern es geht um Gerechtigkeit; zumindest um die Gleichbehandlung dieser beiden so unterschiedlich bevorzugten Kategorien. Denn wozu führt denn diese oben beschriebene Ungleichbehandlung? An jeder Ecke schießen z.B. Bäckereifilialen wie Pilze aus dem Boden. Die können das Schnitzelbrötchen 10% günstiger anbieten und gehen trotzdem mit einem höheren Gewinn nach Hause. Aber wie wäre es, wenn die sich einmal einem gerechteren Konkurrenzkampf stellen müssten, weil sie auch 19% ans Finanzamt abführen müssten? Ja, einige Bäckereien müssten schließen, da sie ausschließlich von genau diesen 12% geringeren Abgaben leben. Aber die Gastronomien der Kategorie 2 könnten endlich wieder gegen gleichbehandelte Wettbewerber kämpfen. Und viele Gäste würden sich bei (nahezu) gleichen Preisen, dann wohl doch eher wieder für mehr Komfort und Dienstleistung (Kategorie 2) entscheiden.

 

Meine Forderung lautet daher: Nicht 7%, sondern 19% für alle. Und damit wären dann wohl auch unsere Politiker eher zufrieden. Klar, meine Forderung wird unter Gastronomen zunächst nicht sonderlich populär sein, aber sie hätte bei ähnlichen Zielen, die größere Wahrscheinlichkeit auf Zustimmung in der Politik.

 

Über eure Meinung hierzu würde ich mich sehr freuen. Gerne auch kontrovers! Vielleicht sehe ich das ja auch völlig falsch...

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