vom Tisch

Eine schwierige, aber gleichwohl auch die wichtigste Rubrik. Über Erfolge berichtet jeder gerne, aber was, wenn es nicht so lief, wie geplant? Die Gründe hierfür sind oft zahlreich und oft ist es eine Gemengelage von mehreren Gründen. Diese zu kennen, ist insbesondere für Start-Ups enorm wichtig. Hut ab vor denen, die bereit sein werden, über das Ende ihres Vorhabens ehrlich zu berichten!!!

Andreas Bourani: "Hey"

Die ersten, die ich angeschrieben hatte, um zu erfahren, warum sie ihr Café schließen wollen, haben zwar nett geantwortet, dass sie meine Idee, neue Gastro-Starter aus den Erfahrungen ehemaliger Gründer lernen zu lassen, zwar toll fänden, aber im Moment zu viel mit sich selbst beschäftigt wären. Das macht gleich beim ersten Versuch deutlich, wir schwer es sein wird, diese Rubrik mit Leben zu füllen.

 

Wir brauchen aber in Deutschland endlich eine Kultur des Scheiterns. "Scheitern" heißt ja nicht "verlieren". Oftmals öffnet sich eine neue Tür, die es ohne das beendete Gastro-Projekt nie gegeben hätte. Und keiner drückt meine Gedanken hierzu besser aus als Andreas Bourani in seinem Song "Hey":
 

Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
es ist okay, wenn du fällst
auch wenn alles zerbricht
geht es weiter für dich

 

Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
auch wenn dich gar nichts mehr hält
du brauchst nur weiter zu geh'n
komm nicht auf Scherben zum steh'n

 

In diesem Sinne: Nur Mut!

 

Ralf Klümper, 28.01.2016

Drei Beispiele dafür, dass auch die absoluten Profis der Gastro-Szene, die Mitglieder des Leaders Clubs (LC), nicht vor Überraschungen sicher sind:

 

 

1. Grillfino
Grillfino war in 2014 das erste Förderprojekt der LC Concepts. Sebastian Fritz und Henning Nietz, beide Quereinsteiger, hatten mit ihrem Sandwich-Konzept mit frisch gegrillten Zutaten die finanzielle und fachliche Unterstützung der Fachleute des LCs sicher. Die erste Filiale gab es dann in der Hamburger Speicherstadt, die zweite in der Kieler Innenstadt und die dritte im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Und nun las ich zufällig auf der Facebook-Seite (März 2016) "Deal Done. Die Bestfoodservice GmbH kauft Grillfino Eppendorf - damit sind nun alle 3 Filialen erfolgreich verkauft. Ein riesengroßes Dankeschön an unsere vielen tollen Grillfino Fans und Stammkunden! Tschüss zusammen, auf zu neuen Taten!". Auf meine Anfrage an Sebastian Fritz, warum die Filialen verkauft wurden und was die beiden nun machen, bekam ich keine Antwort. Meine persönliche Meinung: Wenn man mit soviel Unterstützung (auch medial!) starten darf bzw. kann, sollte man sich nicht sang- und klanglos zurückziehen. Da darf man gerne die eine oder andere Erklärung abgeben...

 

2. Culinary Misfits
Ende 2014 gehörte das Konzept, das Gemüse und Obst verarbeitet, das nicht den geforderten Normen der Lebensmittelindustrie genügt, noch zu den Nominierten beim LC-Award. Nun suchen sie schon für März einen Nachmieter für ihr Café (Quelle: The Food Entrepreneurs Club). Eine erste Nachfrage bei den Betreiberinnen ergab, dass es die Culinary Misfits auf jeden Fall weiter geben wird, aber eben mit veränderten Schwerpunkten: weg vom stationären Verkauf, verstärkt hin zu Catering und anderen interessanten Ausprägungen des Konzepts. Derzeit wäre es aber noch zu früh für weitere Infos. Ich bleibe am Ball und werde in einigen Monaten darüber berichten – und hoffentlich auch über die Gründe, warum sie das Café nicht mehr weiterführen möchten.

 

3. Wonderpots
Im September 2015 wurde das Frozen-Yoghurt-Konzept Wonderpots als herausragendes Beispiel für erfolgreiches Crowdfunding im Rahmen der LC Gastro Startup Sessions vom Crowdfunding-Anbieter Companisto vorgestellt. Rund eine halbe Millionen konnte Wonderpots 2013 auf der Companisto-Plattform einsammeln. Bereits im November 2015 musste ein Insolvenzverwalter bestellt werden (Quelle: foodszene.de). Interessant ist, dass ich in der Kaffeepause nach diesem Vortrag mit dem Wonderpot-Geschäftsführer sprach und ihn fragte, ob er es nicht als großes Risiko sähe, wenn die Geldgeber ihr Geld vorzeitig zurückverlangen würden. Das recht einsilbige „Nein“ ist vor diesem Hintergrund verständlich. Auch in diesem Fall werde ich versuchen, die Gründe für den Liquiditätsengpass herauszubekommen, denke aber, dass sich sowohl Wonderpots als auch Companisto bedeckt halten werden. Auf der Wonderpots-Facebook-Seite reagiert der Betreiber noch nicht einmal auf konkrete Anfragen seiner Fanschaft. Aber, wie so oft bei Insolvenzen: Man spricht nicht gern drüber (logisch!) und macht einfach weiter. Vielleicht hilft ein Gesundschrumpfen ja.

 

Ralf Klümper, 01.02.2016 (aktualisiert 26.04.2016)

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